Pressemitteilung: Bewegendes Gedenkbuch

Neuer Band der Schriftenreihe erzählt die Geschichte der antisemitisch Verfolgten

Liebe Pullacherinnen und Pullacher,

mit der Geschichte der antisemitisch verfolgten Bevölkerungpräsentiert unsere Gemeinde den achten Band der Pullacher Schriftenreihe, mit dem zugleich die neue Serie Pullacher Lebenswegebeginnt. Die Historikerin Susanne Meinl hat 35 dieser Pullacher Lebenswege in biographischen Texten und anhand zahlreicher Bilder und Dokumente einfühlsam nachgezeichnet und ein bewegendes Gedenkbuch erstellt. Vorgestellt wird es am Donnerstag, 11. Oktober, um 20 Uhr im Bürgerhaus. Alle Bürgerinnen und Bürger sind zu diesem besonderen Abend eingeladen – und ich würde mich freuen, wenn viele von Ihnen die Zeit fänden, dabei zu sein.

Denn die Lebensgeschichten, die Dr. Susanne Meinl in monatelangen Archivrecherchen zusammengetragen hat, haben sich vor 80 Jahren quasi direkt vor unserer Haustüre abgespielt. Die antisemitische Verfolgung des NS-Regimes traf auch eine ganze Reihe von Pullacher Familien, die sich im 19. und 20. Jahrhundert vor allem aus beruflichen und geschäftlichen Gründen in der Nähe der Großstadt München niedergelassen hatten. Häufig waren die Opfer gut situierte Wissenschaftler und Kaufleute, die der NS-Staat durch die „Rassengesetze“ sukzessive aus dem öffentlichen Leben stieß. Auch hier in Pullach wurden sie auf Listen geschrieben, die, regelmäßig aktualisiert, ans Landratsamt und damit an andere Behörden des NS-Staates weitergeleitet wurden. Noch heute finden wir diese Listen in unserem Gemeindearchiv.
Einigen Familien gelang es damals, sich Entrechtung und Verfolgung durch Ausreise oder Flucht zu entziehen. Im besten Fall bauten sie sich neue Existenzen in Exilländern auf. Andere überlebten die Rassenverfolgung nicht. Bei den Todesopfern handelt es sich um Menschen, die deportiert und ermordet wurden, oder um Menschen, denen der Lebensmut geraubt wurde und die so in den Tod getrieben wurden.

Die zahlreichen Fotos, Bilder, Briefe und Dokumente aus dem Besitz von Nachkommen der Verfolgten machen den achten Band der Pullacher Schriftenreihezu einem Buch, das nicht nur die Opfer der damaligen Zeit in den Blick nimmt, sondern auch deren Angehörige und das Leben der heutigen Nachkommen. Ohne deren Unterstützung wäre die Erstellung dieses historischen Gedenkbuchs nicht möglich gewesen. Umso größer sind mein Dank und meine Freude darüber, dass einige von ihnen zur Buchvorstellung am 11. Oktober zu uns nach Pullach kommen – und dafür zum Teil weite Wege in Kauf nehmen.

Dr. Susanne Meinl, die bereits den sechsten Band der Pullacher Schriftenreiheerstellt hat, danke ich für die intensiven Recherchen zu diesem sehr lesenswerten Buch.

Dank gilt auch den Mitarbeitern des Staatsarchivs München, des Stadtarchivs und des Bayerischen Hauptstaatsarchivs sowie allen anderen Personen, die Material zu den Pullacher Lebenswegenbeigesteuert haben. Aus einigen der 35 biographischen Texte wird am 11. Oktober vorgelesen. Als musikalische Untermalung spielt ein Streichensemble unter Leitung von Irmtraud Mallach zwei Quintette und ein Trio des Komponisten Karl Georg Hemmerich, der mit einer der verfolgten Pullacher Familien freundschaftlich verbunden war. Das Grußwort spricht die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Dr. Charlotte Knobloch, die damit das besondere Anliegen und die Bedeutung dieses Gedenkbuches unterstreicht.

Liebe Pullacherinnen und Pullacher, vor uns liegt eine denkwürdige und wichtige Veranstaltung, ein Erinnerungs- oder Gedenkabend für alle Pullacherinnen und Pullacher und besonders für diejenigen, die an den Spuren der Gesichte Interesse haben.

Ich würde mich freuen, Sie am 11. Oktober zu sehen und grüße Sie herzlich

Ihre
Susanna Tausendfreund
Erste Bürgermeisterin

Den achten Band der Pullacher Schriftenreihe Pullacher Lebenswege. Geschichte der antisemitisch verfolgten Bevölkerung erhalten Sie für 25 Euro im Pullacher Rathaus, Johann-Bader-Straße 21. Fragen Sie bitte am Empfang danach.

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